Übersäuerung beim Pferd:
Mit diesen Tipps beugen Sie vor!


Übersäuerung ist ein immer häufiger auftretendes Problem, das nicht nur im menschlichen Organismus, sondern auch bei Pferden zu ernsthaften Erkrankungen führen kann, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behoben wird. Dabei hilft es, die Ursachen zu kennen und durch artgerechte Haltung Fehler zu vermeiden.

Was ist eine Übersäuerung und wie entsteht sie?

Ein gesunder Säure-Basen-Haushalt ist sowohl beim Menschen als auch beim Pferd für das gesundheitliche Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung. Doch durch Faktoren wie Stress, Bewegungsmangel, bestimmte Medikamente oder falsche Ernährung kann dieser Haushalt aus dem Gleichgewicht geraten: Wenn die Säure im Körper Überhand gewinnt, weil die körpereigenen Puffersysteme, die diese neutralisieren, dauerhaft überlastet sind, sinkt der pH-Wert des Blutes. Der Organismus sammelt die sauren Abfälle notgedrungen an und lagert diese vorzugsweise im Bindegewebe ein. Das Bindegewebe wird durch diese Schlacken dauerhaft verstopft, sodass die Zellen nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufnehmen können und im Gewebe kein gesunder Stoffwechsel mehr stattfinden kann.

Die Folge ist, dass das Tier unklare Beschwerden entwickelt. Dies können zum Beispiel celluliteartige Veränderungen des Bindegewebes an Hals, Schulter und Kruppe sein, die häufig als EMS missgedeutet werden. Das Pferd kann bei dauerhafter Übersäuerung chronische Leber und Nierenprobleme entwickeln, weil die Entgiftung stark eingeschränkt ist. In der Folge tritt außerdem oft ein chronischer Zinkmangel auf, da die Leber durch den verstärkten Entgiftungsbedarf mehr Zink benötigt. Bei Tieren mit Übersäuerung sind häufig depressive Phasen zu beobachten. Auch die Entstehung des Equine Cushing-Syndroms wird immer häufiger mit Übersäuerung und Verschlackung in Verbindung gebracht. Haarausfall und chronische Haut- und Fellprobleme wie Mauke, Raspe und Ekzem bedingen immer eine Übersäuerung des Gewebes.

Was kann ich tun, damit mein Pferd nicht übersäuert?

  1. Sorgen Sie für ausreichende Bewegung Ihres Pferdes!
    Alle unsere Pferde – ganz unabhängig von Rasse und Nutzung – sind genetisch gesehen reine Lauf- und Herdentiere. In der Natur bewegen sie sich bei der Suche nach Nahrung viele Stunden am Tag. Der Organismus eines Pferdes ist entsprechend auf viel Bewegung ausgelegt. Deshalb reicht es niemals aus, das Pferd ohne relevantes Training z.B. in einem Offenstall zu halten (obwohl solche Haltungsformen einer Boxenhaltung immer vorzuziehen sind), da hier in aller Regel kein wirklicher Bewegungsreiz gegeben ist.
    Pferde brauchen Bewegung, Beschäftigung und Arbeit und das täglich und ständig.
    Deshalb sollten Sie Ihre Pferde täglich mindestens eine Stunde reiten und belasten, gerne auch länger. Nutzen Sie zusätzlich Angebote wie Paddocks, Laufband und Führmaschine. Je öfter Ihr Pferd am Tag die Chance auf intensive Bewegung hat, desto besser wirkt es sich auf seine Gesundheit und Psyche aus. Durch Arbeit und regelmäßiges Training wird sein Körper besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, was einer Verschlackung und Übersäuerung intensiv entgegenwirkt.

  2. Füttern Sie Ihr Pferd artgerecht!
    Leider macht es uns die Industrie allzu leicht, uns von den wesentlichen Bedürfnissen unserer Pferde abzulenken: Zuckerhaltige Leckerlis werden als gesund beworben und neue Bedürfnisse erfunden, z.B. dass das Pferd im Winter täglich etwas Warmes bräuchte oder dass es Unterschiede in der Bedarfsermittlung bei unterschiedlichen Pferderassen gäbe, um unnötige und manchmal sogar schädliche Produkte in möglichst großen Mengen zu verkaufen. Dabei steht fest: Genetisch gesehen sind Pferde Urtiere, die seit rund 60 Millionen Jahren unseren Planeten bewohnen, und erst vor rund 6000 Jahren hat der Mensch damit begonnen, Pferde zu domestizieren und zu züchten. Diese sehr kurze Zeitspanne in der Gesamtevolution des Pferdes hat lediglich zur Herausbildung unterschiedlicher Rassen und Einsatzmöglichkeiten geführt, jedoch keinesfalls zu einer Veränderung der Genetik hinsichtlich des Bewegungs-­ und Ernährungsanspruchs.
    Das Pferd ist vor allem ein Rohfaserfresser.
    Getreidestärke und Zucker – heutzutage omnipräsente Pferdefutter-Inhaltsstoffe – kamen im natürlichen Speiseplan der Urpferde kaum vor. Es bestand für Pferde also ursprünglich keine Notwendigkeit, Verdauungswerkzeuge hierfür zu entwickeln, sodass Zucker und Getreidestärke vom Pferd nicht gesund verwertet werden können. Dies liegt nicht spezifisch an der Rasse, sondern an der allgemeinen Fähigkeit, stärke- und zuckerspaltende Enzyme (Amylasen) in relevanter Menge im Dünndarm zu bilden. Generell kann man sagen, dass Pferde, die deutlich im Naturrassetyp stehen, davon erheblich weniger bilden als höher im Blut stehende Pferde. Daher kommen gerade Naturrassevertreter mit viel Stärke und Zucker kaum zurecht und übersäuern schneller.

Welches Futter ist das Richtige?

Unser heutiges Hauspferd (egal welcher Rasse) ist immer noch ein Hochleistungsorganismus, der mit wenig Futter gut zurechtkommt. Pferde, die nicht stark belastet werden, brauchen deshalb in der Regel kein besonderes Kraftfutter – eine Überfütterung in dieser Hinsicht kann sie sogar mittel­- bis langfristig stoffwechselkrank machen. Leider setzt die Industrie bei diesem Trend inzwischen neue Maßstäbe: Es gibt unzählige Futtermittel ohne Getreide, Mashsorten und noch mehr Kräutermischungen, die am besten ständig und viel gefüttert werden sollten. Doch sind Pferde mehrheitlich extrem genügsam. Halten Sie die Fütterung daher eher einfach. Sparen Sie nie an sehr gutem Raufutter, setzen Sie hier Ihren Fokus und holen Sie sich hochwertiges Heu, notfalls auch aus anderen Regionen. Geben Sie nur beste Qualität und davon viel. Heu wirkt basisch, also der Übersäuerung entgegen.

Geben Sie ein gutes, synthetikafreies Mineralfutter, das außerdem ohne Getreide und Zuckerzusätze auskommt. Mineralfuttergaben ergeben nur dann Sinn, wenn diese auch vom Körper aufgenommen werden können. Deshalb sollten Sie Ihrem Pferd ausschließlich organisch gebundene Mineralstoffmischungen anbieten, z.B. HBD's® HorseMineral melassefrei Pulver/HBD's® HorseMineral melassefrei Pellets.

Wenn Ihr Pferd ausreichend gefordert ist und sich viel bewegen darf, können Sie bedenkenlos auch Kraftfutter geben, Hafer in geringen Mengen und/oder ein getreidefreies Energiefutter, wie z.B. HBD's® Vitalo/HBD's® Vitalo mit Traubenkernmehl. Mehr braucht Ihr Pferd tatsächlich nicht.

Kräuterkuren sollten nur dann angewandt werden, wenn das Pferd erkrankt ist. Mit einer vier­- bis maximal sechswöchigen Basensalz-Kur kann man jedoch sehr effektiv ein beginnendes Bewegungsprogramm unterstützen und einer Übersäuerungen im Ansatz entgegenwirken. Hierzu der Hinweis auf ein altbewährtes Hausmittel: Gehen Sie in den Supermarkt oder in die Drogerie und kaufen Sie im Backregal reines Natron (Natriumhydrogencarbonat, z.B. Kaiser Natron) – das hat einen basischen pH-Wert und kann somit Säure neutralisieren. Geben Sie Ihrem Pferd davon ca. 10 Gramm je 100 kg Körpergewicht und Tag in zwei Gaben.

Fazit

Wenn Sie Ihr Pferd dauerhaft effektiv entsäuern möchten, bewegen Sie es mehr und füttern Sie deutlich weniger, aber dafür mit Futter in sehr guter Qualität und möglichst ohne Zucker und Getreidestärke.


Quelle: Firma HBD-Agrar, Dipl.-Ing. (FH) Frau Anja Beifuss


veröffentlicht auf futter-simon.de: 08.02.2019

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